Hannover: Polizei nutzt Gaming-Koffer für Jugendliche
Die Polizei in Hannover (Niedersachsen) setzt auf eine neue Methode, um junge Menschen zu erreichen. Da über 90 Prozent der Jugendlichen regelmäßig digitale Spiele nutzen, geht die Polizei dorthin, wo die Jugendlichen sind. Das Projekt heißt „GameChanger“.
Das Herzstück der Aktion ist ein sogenannter Gaming-Koffer. Das ist ein robustes, mobiles Paket mit einem eingebauten Monitor, einer modernen Spielekonsole und Controllern. Die Beamten der Kontaktbereichsdienste nehmen diesen Koffer mit in Schulen, Jugendeinrichtungen oder auf Stadtteilfeste. Zusammen mit den Jugendlichen spielen sie zum Beispiel virtuelle Fußballspiele oder einen Polizeisimulator.
Das gemeinsame Zocken ist dabei nur der Türöffner. Die Polizisten wollen so die Berührungsängste abbauen und Vertrauen gewinnen. Wenn die Stimmung locker ist, fallen es den Jugendlichen leichter, auch über ernstere Themen zu sprechen. Am 30. Juli 2026 besuchte Innenministerin Daniela Behrens die Polizei in einer Jugendeinrichtung am Kronsberg, um sich das Ganze selbst anzusehen.
Die Beamten vom Polizeikommissariat Hannover-Döhren berichteten der Ministerin von einem Erfolg im letzten Herbst: An einem Halloween-Tag konnten rund 120 Kinder und Jugendliche durch den Gaming-Koffer in Gespräche eingebunden werden. In dieser Zeit gab es fast keine Straftaten wie Sachbeschädigungen, Beleidigungen oder Körperverletzungen, die sonst oft vorkommen.
Neben der guten Stimmung gibt es einen wichtigen Grund für das Projekt: Im Internet passieren viele Straftaten. Es gibt Betrug, Erpressungen oder das sogenannte Cybergrooming, bei dem Täter das Vertrauen von Kindern ausnutzen. Die Polizei will diesen Mechanismus umkehren. Durch das gemeinsame Spiel im echten Leben sollen die Jugendlichen lernen, Gefahren im Netz früher zu erkennen und wissen, dass sie sich an die Beamten wenden können.
Ob das Projekt in Zukunft auf andere Städte ausgeweitet wird, ist derzeit noch nicht bekannt. Die Ermittlungen zu den Erfolgen des Projekts dauern an.