Fledermaus-Boom in der Schlosskirche Schleiden
Hoch oben im Dachgeschoss der Schlosskirche Schleiden (Kreis Euskirchen) hat es sich das Große Mausohr gemütlich gemacht. Die Kolonie ist dort schon seit den 1960er-Jahren zu Hause. Heute ist sie die letzte bekannte Wochenstube dieser Art im gesamten Kreis Euskirchen und eine der wenigen großen Kolonien im Rheinland. Pfarrer Thomas Schlütter freut sich über die Mitbewohner unter seinem Kirchendach und sieht darin einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz.
Die Geschichte der Fledermäuse in der Kirche war ein Auf und Ab. In den 1990ern waren es noch etwa 50 Tiere, bis zum Jahr 2008 wuchs die Zahl auf rund 160. Dann passierte etwas Seltsames: Im Jahr 2009 verschwand die Kolonie plötzlich fast vollständig. Erst 2013 kehrten wenige Tiere zurück. Doch seitdem geht es steil bergauf. 2023 lebten rund 200 Tiere in der Kirche, 2024 waren es etwa 230 und 2025 bereits rund 240.
In diesem Jahr ist die Zahl noch einmal deutlich gestiegen. Dank einer modernen Infrarot-Lichtschranke, die der Forscher Karl Kugelschafter installierte, konnten die Experten die Tiere genau zählen. So wurden gut 350 Weibchen erfasst. Die Technik erlaubt es, die Tiere zu beobachten, ohne sie zu stören. Man sieht genau, wann die Fledermäuse aus dem Winterquartier zurückkehren oder wenn sie bei Frost wieder abwandern.
Besonders spektakulär ist der nächtliche Ausflug kurz nach der Dämmerung: In weniger als einer Stunde verlassen mehr als 300 Fledermäuse die Kirche. Wenn es warm ist, bleiben sie bis nach 3 Uhr morgens auf Jagd nach Insekten. Selbst bei einer Hitzewelle Ende Juni 2026, als es fast 40 Grad heiß war, kamen täglich zwischen 330 und 350 Weibchen zurück in die Kirche. Um den 3. Juli herum wurden dann die Jungtiere flügge, sodass plötzlich über 400 Tiere in die Kirche einflogen. Aktuell befinden sich etwa 550 Tiere im Gebäude, was bedeutet, dass rund 200 junge Mausohren flügge geworden sind.
Boris Striffler von der Unteren Naturschutzbehörde betont, wie wichtig die Schlosskirche für den Schutz der Art ist. Die Daten der Lichtschranken helfen dabei, Schutzmaßnahmen besser zu planen. Denn die Tiere reagieren empfindlich auf Zugluft oder bauliche Änderungen. Wer selbst helfen will, kann alte Dachstühle erhalten, insektenfreundliche Gärten anlegen oder nachts auf unnötiges Licht verzichten.
Das Große Mausohr gilt in Nordrhein-Westfalen als stark gefährdet. Im ganzen Land gibt es laut Landesamt für Natur, Umwelt und Klima NRW nur noch mindestens 23 solcher Wochenstubenkolonien.