Esslingen fordert Pflege von verwilderten Streuobstwiesen
Wer in Esslingen am Neckar (Landkreis Esslingen, Baden-Württemberg) zwischen den Ortsteilen Zell und Oberesslingen spaziert, sieht oft ein problematisches Bild. Während einige Obstwiesen top gepflegt sind, gibt es direkt daneben Flächen, die komplett aufgegeben wurden. Brombeerranken wuchern meterhoch, und Obstbäume verschwinden im dichten Gestrüpp. Die Stadt hat das Problem mit Luftbildern untersucht: Rund fünf Hektar Land in diesem Bereich werden seit Jahren nicht mehr gepflegt.
Das ist nicht nur ein optisches Problem. Sascha Arnold vom Grünflächenamt erklärt, dass diese Wiesen wichtige Lebensräume für Tiere und Pflanzen sind. Wenn sie verbuschen und zu Wald werden, geht diese Vielfalt verloren. Oft sind die Gründe banal: Grundstücke wurden geerbt, aber die neuen Besitzer haben keine Zeit oder Lust auf die Arbeit. Andere sind zu alt oder haben kein Geld für die Pflege.
Besonders ärgerlich ist die Situation für die Nachbarn. Wenn eine Wiese verwahrlost, geben oft auch die Besitzer daneben auf, weil sie von dem Gestrüpp regelrecht eingekesselt werden. Zudem locken die dichten Brombeeren Wildschweine an. Die Tiere finden dort ideale Verstecke und fressen auf den gepflegten Nachbarflächen. Die Folge sind massive Wildschäden, weil die Schweine die Wiesen großflächig umgraben. Ein Mähen ist danach kaum noch möglich.
Auch die Jäger haben ein Problem. Jens Denzinger von der Forstverwaltung sagt, dass man in den dichten Dickichten kaum gegen das Schwarzwild ankommt. Eine wirksame Bejagung ist dort fast unmöglich.
Jetzt zieht die Stadt die Zügel an. Die Verwaltung hat alle Eigentümer im Bereich zwischen Oberesslingen und Zell ausfindig gemacht. In den nächsten Wochen bekommen diese ein Schreiben. Darin werden sie aufgefordert, ihre Grundstücke innerhalb einer bestimmten Frist wieder ordentlich zu machen. Die Stadt wird danach kontrollieren, ob die Besitzer die Anweisungen befolgt haben.
Wer die Frist verstreichen lässt, muss mit Konsequenzen rechnen. Es kann ein Bußgeld fällig werden. Als letztes Mittel überlegt die Stadt sogar eine Zwangspflege, bei der die Stadt die Fläche auf Kosten des Besitzers räumen lässt.