Eltville: Experten diskutieren über Wasserspeicher in der Landschaft
Am 24. Juni kamen rund 50 Menschen in der Vinothek des Weingut Diefenhardt in Martinsthal (Eltville am Rhein, Hessen) zusammen. Bei extremer Hitze von fast 40 Grad diskutierten Winzer, Landwirte, Beamte und Privatleute über den sogenannten dezentralen Wasserrückhalt. Das Ziel ist eine „Schwammlandschaft“. Dabei soll Regenwasser nicht einfach ablaufen, sondern in der Natur aufgefangen und gespeichert werden, damit die Böden in der trockenen Region nicht so schnell austrocknen.
Mehrere Experten erklärten in kurzen Vorträgen, wie das in der Praxis funktioniert. Professor Eckhard Jedicke von der Hochschule Geisenheim erläuterte, warum gerade der Rheingau diese Speicherlösungen braucht. Ruth Bindewald und Hannah Fröb gaben einen Überblick über passende Maßnahmen und wer bei der Umsetzung helfen kann. Christian Bolte vom Forstamt Rüdesheim zeigte Beispiele aus dem Staatswald auf, während Jochen Quasten von den Stadtwerken Geisenheim Sickerpackungen und neue Entwässerungsrinnen vorstellte.
Auch Blicke in andere Regionen gab es: Jorin Herbst vom Institut für angewandtes Stroffstrommanagement (IfaS) berichtete über erfolgreiche Projekte aus Sachsen und Rheinland-Pfalz. Boris Eggert-Berndt vom Bauamt Oestrich-Winkel erklärte zudem, dass in den nächsten Jahren auf städtischen Flächen Rinnen teilweise wieder entsiegelt werden sollen.
Eigentlich war ein Ausflug zu den Anlagen oberhalb von Martinsthal geplant. Wegen der extremen Hitze mussten die Organisatoren diesen jedoch kurzfristig absagen. Stattdessen gab es eine „Fotoreise“, bei der die Maßnahmen per Bild gezeigt wurden. Stefan Seyffardt vom Stadtwerk Eltville und seine Kollegen Herr Ernst und Herr Matloff berichteten dabei von den Herausforderungen bei der Pflege dieser kleinen Wasserspeicher.
In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass es vor allem an Platz mangelt. Die Kommunen haben kaum eigene Flächen; deshalb müssen in Zukunft mehr private Grundstücke mitmachen. Auch wurde über Geld gesprochen: Sponsoring oder Tourismusabgaben könnten die Kosten decken. Am Ende stand fest, dass die Zusammenarbeit zwischen Städten und Landwirten der einzige Weg ist, um die Region wetterfest zu machen.
Die Veranstaltung wurde gemeinsam von der Hochschule Geisenheim, dem interkommunalen Klimaanpassungsmanagement im Oberen Rheingau+ und dem Zweckverband Rheingau organisiert.