Brühl nutzt Tonieboxen gegen das Vergessen
In Brühl (Nordrhein-Westfalen) leben mehr als 1.100 Menschen mit Demenz. Für viele von ihnen wird es immer schwieriger, sich an ihr eigenes Leben zu erinnern. Deshalb hat die StadtBibliothek zusammen mit dem Förderverein bibfriends e.V. und der Kultur- und Umweltstiftung der Kreissparkasse Köln ein besonderes Projekt gestartet. Sie nutzen sogenannte Tonieboxen, um Senioren den Zugang zu ihrer eigenen Geschichte zu erleichtern.
Das Prinzip ist einfach: Auf kleine Figuren, die sogenannten Tonies, werden Audioinhalte gespeichert. Ein Beispiel ist der 84-jährige Peter Mülhens. Sein Sohn Oliver nimmt über eine App persönliche Geschichten aus der Kindheit, dem Berufsleben und der Familie auf. Auch Musik von Elvis Presley oder Tom Jones und aktuelle Berichte aus der Zeitung landen auf den Boxen. So kann der Vater seine Erinnerungen immer wieder hören, auch wenn er sie im Gespräch gerade nicht mehr abrufen kann.
Die Technik ist bewusst simpel gehalten, damit die Senioren nicht überfordert werden. Wer keine eigenen Aufnahmen machen möchte, kann in der StadtBibliothek Brühl fertige Tonies ausleihen. Es gibt dort bereits Figuren mit Gedichten aus Brühl, Plaudergeschichten von Rentnern oder lyrischen Texten. Diese wurden von lokalen Autoren und Jugendlichen geschrieben und von ehrenamtlichen Sprechern aufgenommen. Ein „Kölscher Tonie“ mit Mundartgeschichten ist bereits in Arbeit.
Auch Senioreinrichtungen wie das Haus Wetterstein und das Johannesstift haben solche Sets als Dauerleihgabe erhalten. Die Boxen sollen nicht den Menschen ersetzen, sondern die Kommunikation fördern und auch pflegenden Angehörigen und Fachkräften die Arbeit erleichtern.
Wer das System ausprobieren möchte, kann eine Toniebox direkt in der StadtBibliothek Brühl (Telefon: 02232 797500) ausleihen. Weitere Hilfe und Beratung gibt es bei der Fachstelle Älterwerden der Stadt (Telefon: 02232 794341) oder bei der Alzheimer-Gesellschaft AUFWIND Brühl (Telefon: 02232 1502191).
Quelle: Brühl – zur Originalmeldung