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Bremen: Focke-Museum zeigt Werke jüdischer Fotografenfamilie

Eine neue Sonderausstellung im Focke-Museum erzählt die Geschichte der Familie Frank, die wegen der Nationalsozialisten aus Deutschland fliehen musste.

Am Dienstagabend, dem 8. November 2022, wurde im Bremer Focke-Museum die Ausstellung „Julius Frank. Eine jüdische Fotografenfamilie zwischen Deutschland und Amerika“ eröffnet. Bürgermeister und Kultursenator Andreas Bovenschulte und die Museumsdirektorin Anna Greve begrüßten die Gäste. Für Musik sorgten Martin Kratzsch und Susanne Sasse mit Klarinette und Akkordeon, bevor die Kuratorin Karin Walter die Besucher in die Schau einführte und eine Führung durch die Räume folgte.

Die Geschichte der Familie Frank begann 1872 mit einem Fotoatelier in Lilienthal (Landkreis Osterholz, Niedersachsen). Über drei Generationen hinweg betrieb die Familie dort ihr Geschäft und eröffnete zeitweise Filialen in Bremen und Worpswede. Zuerst führte Julius Frank senior das Unternehmen, dann übernahm sein Sohn Henry Frank. Dieser wurde als Berufsfotograf überregional bekannt. Er machte vor allem Porträts und Landschaften aus dem Teufelsmoor, die er als Postkarten und große Abzüge über seinen eigenen Verlag verkaufte.

Ab 1931 stieg sein Sohn, Julius Frank junior, in den Betrieb ein. Doch die politische Lage änderte sich. Die Nationalsozialisten zwangen ihn schließlich dazu, das Geschäft weit unter Wert zu verkaufen. Im Jahr 1936 musste er Deutschland verlassen und ging ins Exil in die USA. Dort fing er in Detroit, Kalamazoo und später in Los Angeles beruflich neu an. Bis zu seinem Tod 1959 arbeitete er unter anderem zehn Jahre lang eng mit Julius Shulman zusammen, einem der wichtigsten Architekturfotografen der Nachkriegszeit.

Die Ausstellung zeigt heute die Originalabzüge der Familie und dokumentiert den schweren Weg von Julius Frank in die USA. Dass die Bilder überhaupt gezeigt werden können, liegt an zwei Männern vom Lilienthaler Heimatverein. Peter Richter und Harald Kühn fanden im Jahr 2004 einen Koffer mit Dokumenten, die belegten, wie die Familie Frank in der NS-Zeit unterdrückt wurde. Das Focke-Museum hat die Werke anschließend wissenschaftlich untersucht.

Bürgermeister Bovenschulte wies bei der Eröffnung darauf hin, dass die Schau eine Gedenk- und Mahnhandlung sei. Der Termin war bewusst gewählt, da kurz darauf, in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938, die staatlich gesteuerten Gewaltakte gegen Juden im gesamten Reich stattfanden. Wenn das Focke-Museum im Jahr 2026 mit einer neuen Sammlungsausstellung wiedereröffnet wird, sollen auch Objekte der Familie Frank Teil der Darstellung zum Nationalsozialismus sein.

Zusätzlich eröffnet das Museum am Freitag, dem 11. November 2022, eine weitere Ausstellung namens „Memories“. Dort sind Arbeiten des Bremer Künstlers Olaf Schlote zu sehen, der unter anderem in Vernichtungslagern und in Israel fotografiert hat. Beide Ausstellungen können bis zum 26. Februar 2023 besucht werden.

Quelle: Rathaus Bremen – zur Originalmeldung

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