Bremen: Focke-Museum zeigt Schicksal jüdischer Fotografenfamilie
Im Bremer Focke-Museum wurde am Dienstagabend (8. November 2022) eine besondere Ausstellung eröffnet. Es geht um die Familie Frank, die über drei Generationen hinweg ein Fotoatelier betrieb. Die Geschäfte liefen in Lilienthal (Landkreis Osterholz, Niedersachsen) und zeitweise auch in Bremen und Worpswede.
Begonnen hatte alles 1872 mit Julius Frank senior. Sein Sohn Henry Frank machte sich später als Berufsfotograf einen Namen. Er fotografierte vor allem Landschaften und Porträts aus dem Teufelsmoor, die in Worpswede gerade sehr beliebt waren. Diese Bilder verkaufte er erfolgreich als Postkarten und große Abzüge.
Doch dann änderte sich die politische Lage. Julius Frank junior übernahm ab 1931 das Geschäft, wurde aber durch die Nationalsozialisten in die Enge getrieben. Er musste das Atelier weit unter Wert verkaufen und floh 1936 in die USA. Dort baute er sich in Detroit, Kalamazoo und schließlich in Los Angeles ein neues Leben auf. Er arbeitete dort zehn Jahre lang eng mit Julius Shulman zusammen, einem der wichtigsten Architekturfotografen der Zeit, bevor er 1959 früh starb.
Die Ausstellung zeigt nun die Originalabzüge der Familie und dokumentiert den schweren Weg in die USA. Dass die Bilder heute überhaupt zu sehen sind, liegt an zwei Männern vom Lilienthaler Heimatverein. Peter Richter und Harald Kühn fanden im Jahr 2004 einen Koffer, in dem Dokumente über die Verfolgung der Familie Frank steckten.
Bürgermeister Andreas Bovenschulte betonte bei der Eröffnung, dass diese Geschichte ein Stück Zeitgeschichte greifbar macht. Besonders bewusst war der Termin gewählt: Die Eröffnung lag direkt vor dem Jahrestag der Pogromnacht vom 9. November 1938.
Das Focke-Museum plant für 2026 eine neue Sammlungsausstellung. Dort soll das Kapitel des Nationalsozialismus ausführlich gezeigt werden, unter anderem mit Objekten der Familie Frank. Zusätzlich gibt es im Museum bis zum 26. Februar 2023 eine weitere Schau mit dem Titel "Memories". Darin zeigt der Bremer Künstler Olaf Schlote Bilder aus Vernichtungslagern und Porträts von Holocaust-Überlebenden in Israel.