Bremen erinnert mit Gästen aus Frankreich an NS-Opfer
Im Bremer Rathaus (Bremen) fand am 9. November wieder die sogenannte Nacht der Jugend statt. Seit 1998 erinnert die Stadt damit jedes Jahr an die Opfer der Reichspogromnacht von 1938. In diesem Jahr gab es besondere Gäste: Eine Gruppe aus der französischen Gemeinde Murat reiste an, angeführt von ihrem Bürgermeister Gilles Chabrier.
Die Verbindung zwischen Murat und Bremen ist schmerzhaft. Im Sommer 1944 griffen Widerstandskämpfer in Murat eine deutsche SS-Einheit an. Kurz darauf schlug die Wehrmacht zurück, umzingelte den Ort und nahm die Männer fest. 119 Männer aus Murat wurden nach Deutschland verschleppt. Viele von ihnen landeten in Bremen, um unter unmenschlichen Bedingungen am Bunker Valentin in Farge zu arbeiten. Von diesen Männern überlebten nur 34 den Einsatz.
Unter den Gästen war auch Benoît Parret. Er ist der Präsident eines Verbandes für Hinterbliebene und selbst der Enkel eines Mannes, der in Bremen starb. Parret setzt sich seit Jahren dafür ein, dass die Geschichte nicht vergessen wird und dass es einen Austausch gibt, um Ausgrenzung und Holocaustleugnung zu bekämpfen.
Bürgermeister Andreas Bovenschulte begrüßte die Delegation im Rathaus. Er betonte, dass man sich der eigenen Geschichte stellen müsse, um eine gute Zukunft zu bauen. Die Verbindung zwischen Murat und Bremen sei zwar auf brutale Weise entstanden, aber der gemeinsame Wille zum Versöhnung und zum „Nie wieder“ sei heute sehr wichtig.
Ein wichtiger Teil dieser Versöhnung ist die Arbeit mit jungen Menschen. Schon 2019 waren Schüler aus Murat in Bremen und besuchten gemeinsam mit Bremer Jugendlichen das KZ Neuengamme sowie den Denkort Bunker Valentin. Wegen der Corona-Pandemie pausierte der Kontakt eine Zeit lang. Jetzt soll ein regelmäßiger Jugendaustausch starten. Geplant ist, dass jedes Jahr zwei Reisen stattfinden: Einmal reisen Jugendliche aus Murat nach Bremen und einmal aus Bremen nach Frankreich.