Bremen: Bürgermeister Bovenschulte fordert mehr Tarifverträge
Bürgermeister Andreas Bovenschulte war am Samstag (24. September 2022) zu Gast bei der Bezirksdelegiertenkonferenz der Gewerkschaft Verdi in Bremen ( Freie Hansestadt Bremen). In seiner Rede ging es vor allem um das Geld, das die Menschen am Ende des Monats in der Tasche haben.
Bremen habe bereits vor zehn Jahren einen eigenen Landesmindestlohn eingeführt. Das sei ein wichtiger Schritt gewesen, der später auch den Weg für den bundesweiten Mindestlohn geebnet habe. Gerade jetzt, wo die Energiepreise steigen und alles teurer wird, sei dieser Lohnschutz extrem wichtig. Besonders Frauen seien betroffen: 60 Prozent der Beschäftigten im Niedriglohnsektor sind Frauen, oft sind sie alleinerziehend. Der Anteil der Frauen in diesen schlecht bezahlten Jobs ist um die Hälfte höher als bei den Männern.
Doch der Bürgermeister betonte, dass der Mindestlohn allein nicht reiche. Er sei nur ein Pflaster für ein größeres Problem: Zu viele Menschen haben keinen Tarifvertrag. In den klassischen Billiglohn-Branchen sind nur wenige Arbeiter durch solche Verträge geschützt. Bovenschulte ist überzeugt, dass gute Tarifverträge der beste Schutz für den Lohn sind. Die Politik müsse deshalb helfen, damit wieder mehr Arbeitsplätze tarifgebunden werden. Eine Idee dafür sind Erleichterungen bei sogenannten Allgemeinverbindlichkeitserklärungen für Tarifverträge.
Neben dem Lohn sprach der Bürgermeister auch über den fehlenden Nachwuchs in der Wirtschaft. Es fehle an Fachkräften, und das nicht nur in Bremen, sondern in ganz Deutschland. Um das zu ändern, wolle der Senat die berufliche Bildung stärken und die Vereinbarkeit von Familie und Job verbessern.
Ein konkreter Plan ist die Einrichtung eines Ausbildungsfonds, den die Wirtschaft solidarisch finanzieren soll. Eine Expertenkommission hat dies empfohlen. Mit diesem Geld sollen vor allem kleine Betriebe unterstützt werden, damit sie selbst Fachkräfte ausbilden können. Das Geld könnte aber auch für Sprachkurse oder psychologische Betreuung der Azubis genutzt werden.