Bonn: Forstleute kämpfen gegen Dschungel im Stadtwald
Wer im Sommer durch den Kottenforst in Bonn (Nordrhein-Westfalen) spaziert, sieht oft nur dichtes Grün. Doch hinter den Kulissen kämpfen die Forstleute der Stadt gegen einen regelrechten Dschungel. Besonders dort, wo der Borkenkäfer früher große Flächen zerstört hat, fällt jetzt extrem viel Sonnenlicht auf den Boden. Das führt dazu, dass Brombeeren, Brennnesseln und Farne explosionsartig wachsen und teilweise über zwei Meter hoch werden.
Das ist ein großes Problem für die jungen Bäume, die dort frisch eingepflanzt wurden. Die wilden Pflanzen rauben den Setzlingen das Licht, den Platz und vor allem das Wasser. Da die Sommer immer trockener werden, verlieren die kleinen Bäume diesen Kampf oft, weil sie noch keine tiefen Wurzeln haben. Ohne Hilfe würden sie schlichtweg ersticken und absterben.
Deshalb ist ein Team der Stadtförsterei seit Ende Mai fast ohne Pause im Einsatz. Insgesamt müssen in diesem Jahr rund zehn Hektar Wald gepflegt werden. Die Arbeiter müssen die Flächen ein- bis dreimal pro Jahr freischneiden. Das ist eine harte Knochenarbeit, die meistens in Handarbeit mit Sicheln oder Freischneidern erledigt wird, damit die jungen Bäume nicht versehentlich beschädigt werden.
Die Bedingungen sind extrem: Die Forstleute tragen Schutzkleidung und müssen sich bei hochsommerlicher Hitze durch das Dickicht kämpfen. Dabei geht es nicht nur um Muskelkraft, sondern auch um Fachwissen. Stadtförsterin Angelika Dauermann erklärt, dass man genau wissen muss, welcher Baum was braucht. Eine junge Eiche zum Beispiel braucht viel Licht und muss komplett freigestellt werden. Eine Buche hingegen verträgt etwas Schatten und wird durch die anderen Pflanzen sogar vor zu starker Sonne geschützt.
Dieser mühsame Prozess dauert je nach Baumart drei bis fünf Jahre, bis die Bäume groß genug sind, um sich alleine gegen das Gestrüpp zu wehren. Die Arbeiten im Stadtwald werden noch den gesamten Sommer über andauern.
Quelle: Bonn – zur Originalmeldung