Böblingen baut neue Anlage für Klärschlamm
Am Mittwoch, dem 13. Mai, startete der Bau einer neuen Klärschlammverwertungsanlage in Böblingen (Landkreis Böblingen, Baden-Württemberg). Das Projekt entsteht auf dem Gelände des Zweckverbands Restmüllheizkraftwerk Böblingen (RBB). Insgesamt fließen rund 220 Millionen Euro in den Bau, wobei die KfW einen Förderkredit über 96 Millionen Euro beisteuert.
Die Anlage ist ein wichtiger Baustein für die Region, da die alten Wege der Entsorgung wegfallen. Früher landete Klärschlamm oft auf Äckern, was aber aus Umweltschutzgründen immer mehr verboten wird. Zudem können die Schlämme nicht mehr einfach in Kohlekraftwerken mitverbrannt werden, weil diese abgeschaltet werden. Ab 2029 müssen Betreiber von Kläranlagen zudem gesetzlich den Phosphor aus dem Schlamm zurückgewinnen. Das geht am besten durch eine sogenannte Monoverbrennung, bei der nur der Schlamm verbrannt wird und der Phosphor dann aus der Asche geholt werden kann.
Wenn die Anlage 2029 in Betrieb geht, wird sie jedes Jahr etwa 120.000 Tonnen entwässerten Klärschlamm verarbeiten. Davon profitieren über 70 Gemeinden aus den Landkreisen Böblingen, Calw, Freudenstadt, Rottweil, Esslingen und Ludwigsburg. Für die Menschen in der Region soll das bedeuten, dass die Entsorgungskosten stabil bleiben und nicht so stark von den Preisen am Markt abhängen.
Neben der Entsorgung steht die Energiegewinnung im Vordergrund. In einem modernen Wirbelschichtofen wird der Schlamm verbrannt. Eine große Wärmepumpe soll dabei helfen, die Effizienz zu steigern. Insgesamt sollen so jährlich rund 37.000 Megawattstunden Fernwärme und 6.000 Megawattstunden Strom entstehen. Die Wärme kommt dann bei den Kunden der Stadtwerke in Böblingen und Sindelfingen an.
Um die Anwohner zu beruhigen, gab es vorab Informationsveranstaltungen. Die Anlage wird dort gebaut, wo früher ein Verwaltungsgebäude stand, sodass der umliegende Wald nicht angegriffen wird. Eine moderne Filteranlage soll zudem dafür sorgen, dass die Abgase deutlich sauberer sind, als es die gesetzlichen Grenzwerte vorschreiben.
Da die neue Anlage direkt neben dem Restmüllheizkraftwerk steht, können viele Dinge gemeinsam genutzt werden. Werkstätten, Waagen und das Personal werden geteilt. Das senkt die Fixkosten und sichert gleichzeitig gut bezahlte Arbeitsplätze am Standort Böblingen.