Bingen: Seniorenbeirat auf Zeitreise durch die Stadtgeschichte
Der Seniorenbeirat von Bingen am Rhein (Landkreis Mainz-Bingen, Rheinland-Pfalz) hat die Stadtgeschichte neu entdeckt. Knapp 50 Teilnehmer nahmen an einer Führung teil, die alles andere als trocken war. Der bekannte Gästeführer Karl-Josef Jungerts führte die Gruppe mit einer Mischung aus Fachwissen und rheinhessischem Humor durch die Straßen.
Los ging es am Rhein-Nahe-Eck. Dort erklärte der Guide, wie schon die Römer die Lage der Stadt schätzten und den Weinbau in die Region brachten. Dieser Wein rettete den Menschen im Mittelalter wohl das Leben. Damals war das Wasser im Rhein so stark verschmutzt, dass es lebensgefährlich war. In den Klöstern tranken die Mönche deshalb bis zu vier Liter Wein am Tag, um gesund zu bleiben.
An der Nahebrücke erfuhren die Senioren, warum die Kapelle an der Drususbrücke so wichtig war. Sie diente als eine Art Schutzschild: Da Feinde geweihte Gebäude damals nicht zerstören durften, blieb so auch die strategisch wichtige Brücke verschont.
Besonders für Lacher sorgte der Besuch im Löhrturm. Dort ging es um die alte Badergasse. Die Badestuben von damals waren laut Jungerts nicht nur zum Waschen da. Mit Wein, Musik und freizügigen Gästen funktionierten sie eher wie die heutigen Swingerclubs.
Weiter ging es zum Haferkasten, dem ältesten Haus der Stadt. Die riesige Kiste mit Hafer war damals quasi die Tankstelle für die Pferde der Händler. Zum Abschluss besuchte die Gruppe die Basilika St. Martin. Dort zeigte der Führer alte Steinmetz-Zeichnungen in den Wänden, die früher als Abrechnungssystem genutzt wurden. Die Tour endete an der Treppe zum ewigen Licht.
Die Teilnehmer waren so begeistert, dass sie den Stadtführer mit Applaus verabschiedeten. Weil der Ausflug so gut ankam, gibt es im nächsten Jahr eine Fortsetzung.