Berlin: Familienrat verhindert Trennung von Kindern
In Berlin (Hauptstadt und Land der Bundesrepublik Deutschland) gibt es ein Projekt, das Familien in schweren Krisen stützen soll: den sogenannten Familienrat. Die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie und das Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf haben nun die Ergebnisse einer Untersuchung dazu veröffentlicht. Das Fazit ist positiv: Das Konzept funktioniert.
Beim Familienrat geht es darum, dass Eltern nicht allein mit ihren Problemen gelassen werden. Stattdessen setzen sie sich mit Menschen zusammen, denen sie vertrauen. Das können Verwandte, Freunde oder andere wichtige Menschen aus dem Umfeld sein. Gemeinsam erarbeiten sie einen Plan, wie sie aus der schwierigen Situation wieder herauskommen. Speziell geschulte Koordinatoren helfen bei diesem Prozess. Das Jugendamt passt dabei auf, dass die Kinder geschützt bleiben und ihre Bedürfnisse nicht vergessen werden.
Die Zahlen aus Marzahn-Hellersdorf belegen den Erfolg. Zwischen Februar 2022 und März 2026 wurde das Angebot 567 Familien gemacht. In einer detaillierten Auswertung von 95 Fällen zeigte sich: Bei 31 Familien konnte so verhindert werden, dass die Kinder aus dem Zuhause genommen und in Heime oder Pflegefamilien untergebracht werden mussten. In 42 Prozent der Fälle wurden zusätzlich professionelle Hilfen vereinbart.
Besonders in Marzahn-Hellersdorf ist der Bedarf groß, da es dort viele Alleinerziehende und Regionen mit Armut gibt. Der Bezirk setzt deshalb verstärkt auf diesen Weg, um die Ursachen von Problemen zu bekämpfen, statt nur die Folgen zu mildern. Dafür fließen jährlich eine Million Euro aus einem speziellen Budget in den Bezirk. Seit Anfang 2026 können Familien sogar in der offenen Sprechstunde des Bezirksamtes einen Gutschein für einen Familienrat bekommen, um schnell Hilfe zu erhalten. Bis Ende Juli 2026 gab es bereits über 200 Anfragen.
Aktuell gibt es Familienräte in zehn Berliner Bezirken: Friedrichshain-Kreuzberg, Pankow, Tempelhof-Schöneberg, Reinickendorf, Mitte, Steglitz-Zehlendorf, Lichtenberg, Treptow-Köpenick, Neukölln und Marzahn-Hellersdorf. Insgesamt stehen dafür berlinweit mindestens 3,6 Millionen Euro pro Jahr bereit.
Die Stadt will das Modell nun weiter ausbauen und einheitliche Qualitätsstandards für ganz Berlin schaffen. Ein wichtiger Punkt für die Zukunft ist die Beteiligung der Kinder und Jugendlichen. Diese sollen künftig noch besser in die Gespräche einbezogen werden, etwa durch eine eigene Vorbereitung oder eine Vertrauensperson, damit ihre Wünsche stärker gehört werden.
Quelle: Berlin – zur Originalmeldung