Aachen: Archiv zeigt Pläne für vergessene Bus-Bahn
In Aachen (Nordrhein-Westfalen) gibt es im September eine besondere Ausstellung im Stadtarchiv. Passend zur Europäischen Mobilitätswoche, die vom 16. bis 22. September stattfindet, zeigt das Archiv ein Dokument aus dem Jahr 1929. Es ist die Titelseite eines Exposés für ein sogenanntes „Trolley-Bus-System“.
Bei diesen Fahrzeugen handelt es sich um eine Mischform aus Omnibus und Straßenbahn. Die Busse fahren zwar auf der Straße, beziehen ihren Strom aber über Oberleitungen, genau wie eine Bahn. In anderen Städten weltweit gibt es diese Systeme heute noch.
Damals wollte der Aachener Ingenieur Jean Paul Goosens diese Technik in seine Heimatstadt bringen. Goosens war ein erfahrener Unternehmer und besaß eine Waggonfabrik. Er bot der Stadt ein Komplettpaket an: Er wollte die Fahrzeuge liefern, die Finanzierung regeln und den Betrieb übernehmen. Sein Plan war konkret: Eine Linie sollte von Aachen über Alsdorf bis nach Baesweiler führen.
In seinem Exposé schlug Goosens vier verschiedene Wagentypen vor. Das reichte von kleinen zweiachsigen Bussen bis hin zu großen Doppeldeckern. Die größten Wagen sollten bis zu 59 Sitzplätze und zusätzlich bis zu 15 Stehplätze bieten. Um die Verantwortlichen zu überzeugen, organisierte Goosens sogar eine Studienreise nach England, bei der Straßenbahndirektoren aus Duisburg, Essen und Düsseldorf dabei waren.
Die Vorteile lagen damals vor allem im Geld und in der Technik. Man brauchte keine teuren Gleise, die Busse hielten länger als Benzinbusse und sie stanken nicht. Zudem war man unabhängig von ausländischen Rohstoffen, da der Strom aus heimischer Kohle gewonnen wurde. Um den Klimaschutz ging es 1929 allerdings noch nicht.
Am Ende scheiterten die Verhandlungen mit den zuständigen Stellen, unter anderem mit der heutigen ASEAG. Das Projekt wurde nie umgesetzt.
Wer sich das Dokument ansehen möchte, kann dies im Schaukasten im Foyer des Stadtarchivs am Reichsweg tun. Die Unterlagen sind außerdem digital auf der Homepage des Archivs zu finden.
Quelle: Aachen – zur Originalmeldung